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Netzersatzanlage. Oder: Was passiert, wenn der Strom ausfällt?

 

Unser Verstand ist sehr hilfreich. Er unterstützt uns im Alltag, denn er beurteilt Situationen, berechnet Wahrscheinlichkeiten, schätzt Risiken ein, sucht nach Vor- und Nachteilen und trifft Entscheidungen.

Darin ist er richtig gut: eins nach der anderen abzuwägen, der Prototyp eines linearen Prozessors. Das macht ihn berechenbar und zuverlässig, wenn auch hin und wieder etwas schwerfällig.

 

Flexibilität, Kreativität, Visionen, Emotionen sind nicht seine Stärken. In Sachen Urteil, Rationalität und Wahrscheinlichkeiten können wir uns aber auf ihn verlassen - Gut zu wissen, dass wir ihn haben und wofür er zu gebrauchen ist.

 

Doch was passiert, wenn das Netz mal überlastet ist oder wenn wir die Datenmenge beim letzten Download überreizt haben? Kommt es dann gleich zu einem Systemabsturz? Haben wir dann noch eine Chance, unsere Daten zu sichern? Oder ist dann alles für immer verloren?

 

Gut zu wissen, dass wir über zwei getrennte Stromkreise verfügen. Auf der einen Seite wäre da der Verstand und auf der anderen Seite das Selbst. Zwei Systeme, die jeweils ihren eigenen Sinn und Zweck -  ihre eigene Funktionalität haben.

 

Aber es sind auch zwei parallele Systeme, die, wenn es hart auf hart kommt – und alles regelmäßig und gut gewartet wurde – als gegenseitiges Back Up, eine Art Notstromersatzanlage, funktionieren.

 

Mit unserem Verstand ist es so ähnlich wie mit unserem alten Laptop. Die Technik hat sich weiterentwickelt, die Dateien werden immer größer und der Umfang der Daten nimmt stetig zu. Aber der Arbeitsspeicher bleibt der gleiche.

 

Wir müssen also aufpassen sein, dass er uns nicht abraucht.

 

Achtung: Systemabsturz

 

Wir sollten dem Verstand nicht alles aufbürden, vor allem nicht das, wofür er nicht gemacht ist. Für die Aufgaben, für den wir ihn brauchen, sollte er weiter funktionstüchtig bleiben. Und die Aufgaben, für die er nicht geschaffen ist, von denen sollten wir ihn befreien.

 

Aber wie machen wir das? Wie unterscheiden wir die Aufgaben trennscharf? Und vor allem: Bekommen wir eine Vorwarnung, bevor das System abstürzt?

 

Eigentlich funktioniert das System ganz gut: Wie bei unserem Computer schalten auch wir uns ab und zu mal aus.

In der Regel machen wir das nachts im Schlaf - dann, wenn wir nichts anderes zu tun haben, wird die Datenflut sortiert und die Updates durchgeführt.

 

Unwichtiges wird von Wichtigem getrennt, das ein oder andere in die Bibliothek verschoben - und der große Rest fällt erst einmal unter den Tisch. Und wartet in der Schublade Ablage auf den Tag, an dem es gebraucht werden könnte - wie die Steuerunterlagen. Wenn der Tag kommt, an dem das Finanzamt oder eine ähnliche Situation droht und wir die Schublade öffnen, schlägt uns das Durcheinander entgegen. Jetzt muss Ordnung her: Hier ein Fetzen, dort eine Notiz und da eine angefangene Liste.

 

Hier kommt der Verstand zum Einsatz: Was in aller Welt war das noch? Wozu habe ich das jemals gebraucht?

Wie gut, dass wir ihn haben: unseren Verstand. Er hilft, dass wir uns in der Unordnung zurechtfinden. Muster erkennen, Systematik und Überblick finden im Chaos. Und damit der Verstand funktioniert, müssen wir Ihnen an der Stelle schon mal außer Kraft setzen. Aber wie machen wir das - wie auch sinnvoll und hilfreich?