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Auf Autopilot geschaltet. Oder: Wie reiße ich das Ruder rum?

 

Wenn wir die großen Stürme gewohnt sind, dann fallen uns die kleineren Tiefausläufer gar nicht mehr so auf. Dann hat eine Art Gewöhnungseffekt eingesetzt, dann ist das Fell, das uns warmhält, weich und dick geworden. Gut gepolstert gegen die Herausforderungen des Alltags merken wir die mittelgroßen Ausschläge kaum. Der Airbag des Lebens ist voll funktionstüchtig. - Das ist ja schon mal gut zu wissen.

 

Aber wie sieht es mit dem Seitenaufprallschutz aus? Mit den Überraschungen, die aus einer unerwarteten Richtung kommen? Was passiert, wenn die eingebauten Sicherheiten versagen? Dann ist plötzlich rudern und kämpfen angesagt und je mehr wir das tun, desto aktionistischer werden unsere Aktionen.

 

Aber wie können wir angemessen reagieren? Wie können wir unseren Autopiloten überlisten und den Kurs bei Sturm neu bestimmen? Wie reagieren, wenn wir den eigenen oder den von außen an uns herangetragenen Anforderungen nicht mehr gerecht werden? Wenn unsere bisherigen Deutungs- und Handlungsmuster nicht mehr funktionieren?

 

Strategie 1: Wir halten auf alle Fälle fest. Auch das, was schon nicht mehr ist: It doesn’t die, it fades away. Und so halten wir wartend fest, bis das, was nicht mehr ist, uns endgültig zwischen den Händen zerronnen ist.

Strategie 2: Vogel-Strauß, Kopf in Sand und am besten gleich die Flügel auch hängenlassen. Das Schicksal lässt sich nicht aufhalten. Waldsterben, Klimakatastrophe, HIV oder SARS-COV: Kann man nicht verhindern, also spare ich mir meine Kräfte.

Strategie 3: Die Party ist zu Ende? Dann tanze ich halt alleine weiter auf dem Tisch. Von den Spaßverderbern lass‘ ich mir das nicht verderben. Sollen sie doch zum Lachen in den Keller gehen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

 

All diese Strategien haben eins gemeinsam, sie orientieren sich an den Mustern unserer freiwilligen Selbstkontrolle - und nicht an der Situation. Aber welche Strategie ist in welcher Situation die beste?

Festhalten – Loslassen - Weitermachen? Was ist hier die Lösung? Wie gehen wir mit den Schwierigkeiten des Lebens am besten um?

 

Freier Blick

 

Gerne verfallen wir in bewährte Denk- und Handlungsmuster: Hat immer funktioniert, warum nicht auch in Zukunft? Doch was ist, wenn die gefühlten Widersprüche immer größer werden? Wenn sich der Abgrund zwischen gestern und morgen direkt vor den eigenen Füßen auftut? Das sicherste ist, wir schauen erst mal nicht hinein. Die Erdspalten werden sich schon wieder schließen. Alles wächst wieder zusammen, zum großen Urkontinent: Pangaea.

 

Und was ist, wenn wir nicht soviel Zeit haben? Wie erreichen wir das Festland dann sicher und trocken? Wie übernehmen wir die Verantwortung, stellen den Kampfmodus aus und befreien uns vom verselbständigten Leben?

 

Wie wäre es mal mit einer paradoxen Intervention? Das Bild auf den Kopf stellen, eine Kontraposition einnehmen oder mal so richtig mächtig übertreiben? Und was soll das bringen?